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  • Dr. Verena Diersch

Erobere deine sexuelle Energie zurück

Warum sexuelle Energie mehr ist als "nur" Sex

Wenn wir über Energie sprechen ist uns meist gar nicht bewusst, dass wir die wohl mächtigste Energie immer in uns tragen und für unsere Freude und Kraft ganz einfach nutzen können - unsere sexuelle Energie.


Leider ist diese Lebensenergie in die Schmuddelecke verbannt, dämonisiert und verzerrt worden - höchste Zeit, das zu ändern.


In diesem Beitrag erfährst du, was sexuelle Energie ist, warum ich mich in meiner Energiearbeit damit beschäftige, du lernst die gängigsten Stressfaktoren im Umgang mit sexueller Energie kennen und wie du sie transformieren kannst um sie so wieder ganz entspannt genießen zu können und dabei lustvoll neue Wege in deinem Leben zu gehen.


Was ist sexuelle Energie?

Sexuelle Energie ist kreative Energie. Biologisch betrachtet ist sie dazu da, Leben entstehen zu lassen. Rein energetisch betrachtet ist sie also reine Lebensenergie. Theoretisch macht es also keinen Unterschied, ob ich Reiki zur Energie sage oder sexuelle Energie. Der Unterschied entsteht nur, wenn wir sexuelle Energie in die Schublade Sex stecken und somit alle Vorstellungen und Gefühle aufkommen, die wir mit diesem Begriff in Verbindung bringen und wir damit eine Unterscheidung aufmachen zwischen zwei Energieformen, von denen die eine etwas spirituelles, ja beinahe "reines" sein soll und die andere ins Schlafzimmer gehört.


Es kommt also einzig darauf an, welche Assoziationen wir zu den Wörtern und Konzepten haben, die wir verwenden. Energie an sich ist neutral.


Sie ist da, damit wir sie nutzen können. Und sie ist von ihrer Natur her in Bewegung. Das heißt, wann immer wir uns mit Energie verbinden indem wir sie bewusst wahrnehmen, setzt sie etwas bei uns in Gang, sowohl körperlich als auch mental.



Foto: Micah Hallahan


Wie sehr sexuelle Energie in der Lage ist, unser Leben zu verändern und zu bereichern, das hängt davon ab, ob wir uns erstens, dafür öffnen können, dass sich Energie nicht nur wie etwas anfühlen kann, dass - etwas übertrieben ausgedrückt - als goldenes Licht vom Himmel fällt, sondern uns auch erregen darf, und, zweitens, ob wir der Mainstream-Auffassung folgen, dass Sex etwas ist, das Performance-Charakter hat und dessen Ziel es ist, das alle Beteiligten mindestens einen Orgasmus erleben. Letztere Vorstellung von sexueller Energie gibt ihr eine feste Form und eine klare Struktur. Sexuelle Energie kann aber viel mehr als das. Sie ist eine Welle, die unseren Körper durchströmt. Auch ohne Partner, ja sogar ohne, dass gerade etwas mainstream-sexy ist, kann sie da sein, wir können spüren, wie sie durch uns fließt und uns jenseits jeglicher Form und Struktur von ihr berühren und befriedigen lassen. Dann ist sexuelle Energie pure Lebensenergie, verfügbar für uns wie das Sonnenlicht, motivierend, nährend, verändernd.


Warum beschäftige ich mich mit sexueller Energie?

Gerade uns Frauen wird sexuelle Energie und die damit verbundene Lust auf Freiheit, emotionale Tiefe, Selbstbestimmung und Wildheit kulturell abgesprochen. Sex hat nach einem bestimmten Idealbild abzulaufen, in dem die Frau immer lustvoll, schön und für alles zu haben sein soll. Gleichzeitig wird gewünscht, dass die Frau nicht zu fordernd oder freizügig durch ihr sexuelles Leben geht. Aber auch für Männer ist Sex häufig mit kulturellen Vorstellungen verbunden: Männer sollen immer können und wollen und ihre Partner*innen dabei stets glücklich machen. Was bei Männern und Frauen gleichermaßen entsteht, ist der Druck, Dinge richtig machen zu müssen, auch beim Sex. Der sexuellen Energie ist es aber herzlich egal, was wir mit ihr machen und wie wir dabei aussehen. Sie will uns den Spaß am Leben zurückgeben, das Erlebnis des gegenwärtigen Augenblicks. Sie würde sich wünschen, dass wir uns einfach mal locker machen, sie in uns aufsaugen und kanalsieren oder abgeben wie auch immer wir gerade lustig sind.



Foto: Miguel Bruna


Vorsicht, Klischees! Der eine mag auf die Jagd nach multiplen Orgasmen gehen. Die andere mag sich ihrer inneren Schönheit und Sinnlichkeit bewusst werden, während ihre Hand sanft an einem duftenden Rosenstrauch entlang streicht. Der dritte mag aus seiner sexuellen Kraft innere Stärke und Zufriedenheit ziehen, allein für sich. Die vierte lächelt einen fremden Mann an ohne etwas zu wollen oder zu verlieren, einfach nur weil sie weiß, dass sie stark und glücklich ist, auch ohne ihn haben zu müssen und dass ihr niemand etwas nehmen kann, das sie sich selber gibt. Sexuelle Energie hat kein Ziel und keinen objektiv bestimmbaren Ausdruck. Das Wahrnehmen und Nähren der eigenen sexuellen Energie und das Erkennen der sexuellen Energie im Anderen, ohne, dass daraus eine Erwartung in beide Richtungen entsteht, befreien, stärken und geben dem Leben seine Farben zurück.


Warum setzt uns der Umgang mit sexueller Energie unter Druck?

Das Problem ist nicht, dass sexuelle Energie etwas von uns will. Das Problem ist, dass wir mit sexueller Energie etwas zu erreichen versuchen, obwohl die Energie an sich einfach nur da sein will. Aus diesem Druck entstehen Erfahrungen, die sich für uns negativ anfühlen und für deren Ergebnis wir die sexuelle Energie oder uns selbst verantwortlich machen. Die häufigsten Stressfaktoren und was sie uns über uns selbst oder Sex glauben machen, stelle ich hier vor.


1. Ich bin oder habe zu wenig

Weil wir uns nicht darüber bewusst sind, dass sexuelle Energie da ist, auch ohne, dass wir etwas mit ihr machen müssen und das alles, was wir mit ihr tun, richtig ist und keinem Ziel folgen muss, entsteht oft der Druck, dass wir sexuell aktiv sein oder besonders performen müssen, obwohl das eigentlich gar nicht notwendig wäre. Wir können uns dann weniger lustvoll oder sexy fühlen als andere und den zwanglosen Umgang mit unserer sexuellen Energie verlieren. Wenn der Fluss zu dieser Kraftquelle blockiert ist, kann es ein, dass wir uns so fühlen, als gäbe es in unserem Leben allgemein zu wenig, das uns Freude bringt. Anstatt uns zu entspannen und uns immer wieder neu ohne Erwartungen an das Leben in all seinen Ausdrucksformen heranzuwagen, suchen wir die Schuld bei unseren "Fehlern" oder bei anderen.


2. Ich bin zu viel oder habe zu viel

Wenn wir die sexuelle Energie stark in uns fühlen, schon immer einen guten Zugang dazu hatten und sie gerne zwanglos entdecken wollen, dann kann es sein, dass wir in der Vergangenheit Erfahrungen gesammelt haben, die uns glauben machten, dass daran etwas "falsch" ist oder das, was wir empfinden, generell oder doch zumindest anderen zu viel ist. Daraus kann das Gefühl entstehen, dass auch andere Dinge in unserem Leben im Überfluss da sind, dass wir mehr Glück haben als andere und uns deshalb schlecht fühlen, uns selbst im Umgang mit anderen kleiner machen als wir eigentlich sind und wir uns nicht immer erlauben, alle Geschenke zu empfangen, die uns das Leben machen möchte. Wir schneiden uns von unserer eigenen Kraft ab, weil wir anderen mehr Raum geben wollen als uns selbst ohne zu merken, dass das Leben uns alles geben wird, was wir uns wirklich wünschen und uns darüber hinaus mehr Zeit mit den Menschen schenken will, die so viel Energie haben wie wir, denen wir uns aber so zeigen müssen wie wir wirklich sind, damit sie uns auch erkennen können.


3. Ich bin nicht (gut) genug

Unsere Leistungsgesellschaft verlangt, dass wir für alles im Leben einen Plan und ein Ziel haben. Deshalb gehen wir auch an Sexualität mit Verbesserungswünschen und Zielvorstellungen heran. Das "Ziel" hinter sexueller Energie ist aber "nur" die tiefe Verbindung zu sich selbst und zum Leben. Es gibt keinen Preis für den besten Orgasmus. Es wird immer jemanden geben der häufiger oder besser kommt als man selbst.


Ein Ziel beim Sex versaut den besten Sex.


Und das kann unglaublich viel Frustration und Selbsthass erzeugen. Auf der Jagd nach dem besten Sex entfernen wir uns immer weiter von uns selbst, denn der beste Sex ist der, den wir mit unserem Körper haben. Mit einem Körper, der nicht unter Druck gesetzt wird. Der loslassen darf. Der auch mal etwas seltsam dabei aussehen oder riechen darf. Der auch mal nicht so funktionieren darf, wie man sich das vorgestellt hat. Der einen überraschen darf.


Wie kann ich meine sexuelle Energie für mich nutzen?

Wie können wir also wieder einen neuen Zugang zu sexueller Energie finden und was haben wir davon? Drei Punkte möchte ich besonders herausstellen: durch einen entspannten Umgang mit deiner sexuellen Energie vertiefst du dein Erleben, kommst in deinen Beziehungen an und entdeckst deine Kreativität völlig neu.


1. Vertiefe dein Erleben

Deine sexuelle Energie ist nur für dich da. Du bist die Person, die deine sexuelle Energie fühlt. Deine Partner*innen können dein sexuelles Erleben nicht nachfühlen, sie haben ihr eigenes. Deshalb erlaube dir, den Zugang zur sexuellen Energie wieder ganz neu für dich zu entdecken und zu nutzen.


Fühle deine sexuelle Energie jeden Tag.


Das kann jede Form annehmen. Alles, was du mit dir anstellst, ist richtig. Es soll sich gut anfühlen, dir Energie geben. Es muss nicht immer ein Energiekick sein. Es kann auch ein kleines, inneres Kitzeln bleiben. Sexuelle Energie muss nicht zu Sex führen, auch nicht zu Sex mit dir selbst. Sie kann ein sinnliches Genießen beim Blick in den Himmel, beim Essen oder Kochen, bei einem Spaziergang oder einem angenehmen Gespräch sein. Alles darf sein, nichts muss sein.


2. Erlaube dir, in deinen Beziehungen anzukommen

Erlaube dir außerdem, dich frei und ohne Erwartungsdruck auszudrücken und auszuleben. Wenn du dabei auf kein Verständnis stößt, dann führt dich dein Weg ohnehin woanders hin.


Es ergibt keinen Sinn, dich selbst von deiner Energie abzuschneiden, damit sich andere mit dir wohler fühlen.


Du hast es verdient, dich voll und ganz zu fühlen, anzunehmen und angenommen zu werden von jemandem, der dich genau so will wie du dich gerade fühlst.


Foto: Alexei Scutari


Erlaube dir, Bedürfnisse und Ansprüche zu formulieren. Das bedeutet nicht, dass du nicht gesprächs- oder kompromissbereit bleiben kannst. Aber wenn du fühlst, dass die Energien nicht mehr harmonieren, suche dir Orte, Erlebnisse und Menschen, die auffangen können, was du mitbringst und dich so wie du dich gerade ausdrücken möchtest als Bereicherung sehen.


3. Entdecke deine Kreativität

Sexuelle Energie ist die Energie der Kreation. Beobachte, wie sich deine Kreativität verändert, wenn du wieder mehr sexuelle Energie in dein Leben einlädst. Vielleicht wirst du auch in diesem Bereich mutiger, den Weg klarer Formen und Begriffe zu verlassen und ergebnisoffen deiner Lust zu folgen.


Wenn wir nichts schaffen müssen, wenn es egal ist, ob unsere Kreativität einen Nutzen hat, entstehen oft spielerisch die besten Ergebnisse.


Lass deine Kreationen ein Ausdruck eines Gefühls sein, dass sich immer wieder verändert und so kann auch deine Kunst sein, was in einem Moment entsteht und im nächsten Moment schon wieder auf dem Prüfstand steht. Lass auch deiner Kreativität ihr Eigenleben, verurteile weder dich noch deine Kreationen, sondern schaffe großzügig, ohne Druck, ohne Erwartung und in dem Wissen, das alles gut ist, so wie es sich im gegenwärtigen Moment zeigt.


Wie du wieder einen entspannten Zugang zu deiner sexuellen Energie bekommst, kannst du in meinem Live-Online-Workshop "Inner Peace Pussies" lernen. In vier Wochen beschäftigen wir uns intensiv und in einer kleinen Gruppe von gleichgesinnten Frauen mit den Bereichen Fühlen, Heilung, Orgasmen und Integration der sexuellen Energie in dein Leben und mit intensiven Übungen, die dir zu Hause ermöglichen, eine nährende Sex- und Selbstwertpraxis zu etablieren und beizubehalten. Gerne unterstütze ich dich natürlich auch in meinen Einzelsitzungen zu diesem und anderen Themen.


Bleib' neugierig. Deine Verena.

©2020 by Verena Diersch.