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  • Dr. Verena Diersch

Ist Intuition wissenschaftlich?

Aktualisiert: März 3

Mein Herz schlug lange nicht mehr für die Sozialwissenschaft. Warum? Weil ich mich auf die Konzepte eingelassen habe, die versucht haben, die Welt rational zu erklären. Die alle Phänomene in dieser Welt mit einem Ursache-Wirkungszusammenhang darzustellen versuchen. Das klingt langweilig und das ist es auch. Ich möchte in diesem Text gerne vermitteln, dass die Sozialwissenschaft auch ein spannender Weg sein kann, die Nützlichkeit der Intuition herauszustellen und uns außerdem unsere täglichen Herausforderungen zu erklären. Und gegen Ende wird es - wie so häufig im Leben - mal wieder ein bisschen verrückt und magisch.


Für mich ist die Schnittstelle zwischen der Sozialwissenschaft und der Intuition die Erfahrung. Dafür braucht es jedoch ein offenes Wissenschaftsverständnis.


Wissenschaft soll die Welt erklären, aber die Welt ist komplex

Brian Epstein zum Beispiel unterscheidet in seinem fantastischen TEDx-Talk „The End of Social Science as we know it“ zwei wissenschaftliche Herangehensweisen. Auf die erste, die Erklärung mittels mechanistischer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge bin ich ganz am Anfang kurz eingegangen - das ist die langweilige. Sie konzentriert sich darauf „wenn, dann“-Aussagen zu treffen.



Ich nehme meine persönliche Geschichte als Studentin und Promovendin der Politikwissenschaft als Beispiel, um das genauer zu erklären. Nach dieser Herangehensweise könnte man die Aussage treffen: Wenn sich eine Person für Politik interessiert, dann studiert sie Politikwissenschaft. Wenn ich meine Lebensgeschichte als Fallstudie verwende, dann kann diese Hypothese nicht bestätigt werden. Denn ich habe mich nie für Politik interessiert. Ich habe mich eher dafür interessiert, warum sich Menschen für Politik interessieren.


Somit ließe sich meine persönliche Geschichte als Fallstudie nur mit der zweiten von Brian Epstein vorgestellten Herangehensweise untersuchen. Der Frage: „What is it?/ Was ist es überhaupt, das wir zu erklären versuchen?“. Es ist eine Meta-Frage, also eine Frage über die Art der Welt, in der wir leben und die Weise, wie wir sie begreifen (können). Anders als bei der einfachen Frage „Interessiere ich mich für Politik?“ aus dem von mir verwendeten Beispiel ergeben sich bei der „What is it?“-Betrachtung gleich mehrere Fragen:


- Was ist Politik(wissenschaft)?

- Wer bin ich?


Die Antworten auf beide Fragen sind komplex und sie hängen miteinander zusammen. Es ist nämlich zentral, welchen Blick ich auf die Politik und die Politikwissenschaft habe und somit sind sogar beide Forschungsgegenstände, also die Politikwissenschaft und ich voneinander beeinflusst. Somit müsste man sich fragen: Auf welche Weise interessiere ich mich für Politikwissenschaft? Und man könnte sogar fragen: Was macht das aus der Politikwissenschaft und aus mir, weil sich beide Objekte, dadurch, dass sie sich gegenseitig beeinflussen, verändern (können)?

Beides lässt sich verkürzen auf die Frage, was ist Politikwissenschaft für mich? Auf welche Weise ich mich für Politikwissenschaften interessiere hängt davon ab, wie ich Politikwissenschaft betrachte. Bevor ich das Studium gewählt habe, hatte ich keine eigenen Erfahrungen mit dem Fach gemacht. Ich hätte mich also auf meine eingeschränkten Vorerfahrungen oder auf die Einstellungen anderer Personen verlassen müssen um meine aktuelle oder potentielle Beziehung zur Politikwissenschaft einzuschätzen. Das wäre vor allem dann der Fall gewesen, wenn mir die innere Stimme, meine eigene innere Wahrheit, gefehlt hätte, die mir sagen könnte, ob Politikwissenschaften ein lohnendes Beschäftigungsfeld für mich darstellen oder nicht.


Hier kommt also die Intuition ins Spiel.


Glücklicherweise bin ich eine intuitive Person, die ihren Verstand meistens ausschaltet und nicht auf andere Menschen hört – was möglicherweise nicht in allen Fällen ratsam ist, aber in diesem Fall schon.


Wie funktioniert Intuition?

Durch meine innere Stimme konnte ich zwei Dinge aushebeln – die mangelnde Erfahrung und den Einfluss anderer Personen.

Durch sie konnte ich erkennen, dass das Potential meiner Beschäftigung mit Politikwissenschaft einzig davon abhängt, wie ich als individuelle Person das Fach nutze in der Weise, wie nur ich es nutzen kann.

Wie mein Eingangsstatement über die Langeweile mit der Wissenschaft beweist, habe ich diese innere Stimme im Laufe der Zeit auch schon mal verloren. Jetzt habe ich sie wiedergefunden.


Intuition ist eine entspannte Beziehung zwischen Betrachter und Betrachtung

Mein intuitiver Zugang zur Politikwissenschaft hat aus ihr ein Werkzeug zur Erklärung der Welt gemacht, das ich nun für mich nutzen kann. Ich verstehe wie unterschiedliche Ebenen ineinander greifen.



Und ich habe erfahren, dass es in jeder Disziplin Wissenschaftler gibt, die ein bisschen anders auf ihr Fach gucken und damit neue Zugänge eröffnen. Wissenschaftler wie Brian Epstein. Oder wie Alexander Wendt. Mit seiner ausführlichen Darlegung der Geschenke, die die Quantenphysik für die Sozialwissenschaft bereithält, hat er mir einen Zugang ermöglicht, alle Wesen auf dieser Welt – eigentlich sogar alle Dinge – als mit Bewusstsein ausgestattet zu verstehen. Etwas, was ich durch meine Erfahrung für mich bereits bestätigt hatte, wofür ich aber keine wissenschaftliche Erklärung zu haben schien. Durch ihn und sein Buch „Quantum Mind and Social Science“ hat sich mein wissenschaftlicher Blick auf die Welt verändert – Wissenschaft und Herz gehören plötzlich wieder zusammen. Und natürlich ist es kein Zufall, dass er dieses Buch im Gepäck hatte, als ich ihn 2017 während meines Forschungsaufenthaltes an der Cornell University persönlich kennen lernen durfte.


Für die Nerds unter den Lesern kann ich das jetzt sogar quantenmechanisch erklären: Betrachter (ich) und Betrachteter (Alexander Wendt) nahmen einen Zustand der Quantenkohärenz (beide sind am gleichen physischen Ort oder in der gleichen Struktur befindlich) an weil das Potential – schon immer - da war, weil ich als Betrachter darum wusste und mich an der Cornell beworben habe und weil durch das Entstehen der Quantenkohärenz ein zeitlich relatives Potential erreicht werden kann (das Ereignis kann also eine Wirkung entfalten, je nachdem wie Betrachter und Betrachteter sich zueinander – weiter – verhalten bzw. wie der Betrachter das Betrachtete weiterhin betrachtet).


Mein Herz schlägt wieder für die Sozialwissenschaft. Aber auf meine Weise. Ich möchte die von mir erfahrene Politikwissenschaft als Sozialwissenschaft begreifen und nutzen, die uns die Zusammenhänge zwischen Betrachter und Betrachtung – wie ich sie in den letzten Absätzen dargestellt habe – wieder vor Augen führt.



Es ist schwierig, die Betrachtung – also das Objekt, in dem Beispiel die Politikwissenschaft – zu verändern, wenn der Betrachter nicht erkennt, dass das Potential besteht, alles darin zu sehen was er darin sehen will. Das lässt sich übertragen auf so viele Dinge.


- Wie möchte ich mein Leben betrachten?

- Wie möchte ich andere Menschen betrachten?

- Wie möchte ich die Welt betrachten (und meine Rolle darin)?


Damit meine ich nicht nur, dass wir unsere Wahrnehmung der Dinge und Menschen in unserem Leben ändern können. Wir können uns als Betrachter auch aktiv anders verhalten. Auf keinen Fall möchte ich aber darauf hinaus, dass wir uns in irgendeiner Weise verändern oder verbessern müssen, es sei denn, wir wollen es. Ich glaube jeder ist gut so wie er ist. Aber zu sein, wer man wirklich ist ohne ständig faule Kompromisse oder fremde Meinungen von außen anzunehmen, das ist die Herausforderung. Dann treffen wir auch auf Menschen und Erfahrungen, die zu unserem Potential passen und es fördern können. Und dann fängt es wirklich an, Freude zu machen.


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Bleib weiter neugierig. Deine Verena.


©2020 by Verena Diersch.