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  • Dr. Verena Diersch

Wie wir durch die Natur offen und frei werden

Wir sind Teil der Natur. Wir blühen und vergehen mit ihr. Nutze die Natur, selbst in der Stadt, täglich, um mehr bei dir anzukommen, frei zu werden, Ängsten und Sorgen zu vergessen und dein Herz zu öffnen.


Warum wir Teil der Natur sind

Noch bis vor einigen Jahrhunderten – vor der Industrialisierung – haben Menschen überall auf der Erde eng mit der Natur zusammengelebt. Sie waren abhängig vom Wechsel der Jahreszeiten. Sie waren angewiesen auf die Früchte der Natur und davon, dass keine großen Dürren oder Fluten das Land vernichteten, auf dem die Menschen wohnten und von dem sie sich ernährten.


Mit dem Zeitalter der Industrialisierung haben die Menschen, vor allem im globalen Norden, diese Lebensweise zugunsten einer Technisierung der Wirtschaft und dem Leben in Städten immer mehr aufgegeben.



Aber die Verbindung zur Natur lässt sich nicht abschütteln. Luftverschmutzung, Stürme, Sturmfluten – immer haben sie Menschen verängstigt oder Menschenleben gekostet. Zusätzlich hat die Natur dem Menschen aber auch schon immer Freude geschenkt. Spaziergänge, die Sommerfrische am Meer oder an Seen und der Familienausflug ins Grüne sind ein menschliches Bedürfnis, dass sich durch alle Jahrhunderte zieht.


Wie wir Natur auch in der Stadt genießen können

Wenn wir in Städten leben kann es uns so vorkommen, als ob wir nur schlecht einen Zugang zur Natur bekommen. Dabei ist auch hier die Natur überall. Sie steckt im Stadtbaum, der seine Krone über den Gehweg neigt. Sie steckt im Gras und Löwenzahn, die sich durch die Pflastersteine mogeln. Sie steckt in den Vögeln, die sich um unsere Krümel streiten oder uns in den Abendstunden ihr Lied singen. Sie steckt im Eichhörnchen, im Igel, in jedem Strauch. Im Rascheln in unserem Garten. Im Rauschen durch das geöffnete Fenster. Im Geruch von frisch gemähtem Gras oder gerade gefallenem Regen.


Seit ich ein Kind war liebe ich es, abends den Amseln beim Singen zuzuhören. Ich liebe es, barfuß über kühles Gras zu laufen. Ich liebe es, mein Gesicht in den Himmel zu strecken, wenn es im Sommer beginnt zu regnen oder mit geschlossenen Augen mein Gesicht in der Sonne zu wärmen. Die Natur und unsere Sehnsucht nach ihr steckt in uns, also können wir auch immer mit ihr in Verbindung treten.


4 Wege, um die Natur auch in der Stadt für dein Wohlgefühl zu nutzen

Ich möchte dir vier einfache Wege zeigen, wie du dich auch in der Stadt mit der Natur verbinden kannst. Du wirst schnell merken, wie gut es dir tut, immer wieder kleine Pausen in und mit der Natur einzulegen. Ich halte es aber auch für unsere Pflicht, uns immer wieder bewusst mit der Natur zu verbinden. Denn erst, wenn wir uns wieder täglich mit ihr vertraut machen, wird es auch zu unser Priorität, sie sauber zu halten und zu schützen.


1. Kühler Kopf unterm Baum

Die Blätterkronen von Bäumen kühlen ihre Umgebungsluft aktiv ab. An den Blättern verdunstet Wasser und diese Verdunstung entzieht der Umgebungsluft Wärme. Deshalb spürst du unter ihr nicht nur eine angenehme Kühle, weil dir der Baum schatten spendet. Je nachdem wie sensitiv du bist, wirst du außerdem feststellen, dass sich dein Energiefeld verändert, wenn du unter einem Baum stehst.


Foto: Allef Vinicius


Für mich fühlt es sich an, als ob ich unter der Blätterkrone meine Akkus wieder aufladen kann und Anspannung von mir abfällt. Zusätzlich hilft mir die Nähe zu Bäumen, in hektischen Situationen wieder in meine Ruhe und zu meiner Intuition zurückzufinden. Wenn dann noch leichter Wind durch die Blätter geht und ich ihr sanftes Rauschen hören kann, bin ich plötzlich wieder ganz bei mir.


2. Blumen als Herzöffner

Im Alltag versuchen wir oft, unser Herz zu schützen um nicht absichtlich oder unabsichtlich verletzt zu werden. Wenn wir Blumen betrachten können wir uns wieder bewusst werden, dass Offenheit in ihrer ganzen Stärke und gleichzeitigen Zerbrechlichkeit Schönheit an sich ist.


Foto: Rodolfo Sanches Carvalho


Die Blüte ist offen, aber sie ist dadurch nicht bedroht. Dann wiederum gibt es Blüten, die sich in der Nacht schließen. Aber sie öffnen sich am nächsten Morgen erneut. Es ist ihre Natur, sich immer wieder zu öffnen. Ich glaube fest daran, dass das auch für uns Menschen gilt. Wir dürfen uns erlauben in dieser Schönheit eines offenen Herzens, einer geöffneten Blüte, zu leben. Wenn wir uns zu dieser tiefen Schönheit bekennen, weiß das Leben auf uns aufzupassen und uns für unsere Stärke, uns "schwach" zu zeigen, zu belohnen.


3. Die Freiheit der Vögel

Hast du schon einmal Vögel im Wind beobachtet? Oft haben wir den Eindruck, Tiere sind nur mit für sie existenziellen Dingen beschäftigt, aber wenn der Wind auffrischt können wir sie beim Spielen betrachten. Sie segeln in der brausenden Luft, genießen den Auftrieb, lassen sich durch die Böen die Richtung weisen.


Foto: Zac Ong


Sie sind nicht nur hier um zu fressen und zu schlafen. Sie sind hier um frei zu sein. Lass dich von dem nächsten Schwarm Tauben, der durch die Häuserschluchten zieht, anstecken. Spreize deine Flügel weit und spüre, was dich frei macht.


4. Verbinde dich mit der Erde

Bist du als Kind auch so gerne barfuss gelaufen? Und wenn ja, was spricht dagegen, es immer noch zu tun? Ich gebe zu, ich fühle mich selbst nicht wohl bei dem Gedanken, überall und ständig mit nackten Füßen herumzulaufen. Allerdings baue ich immer wieder kurze Strecken in meine Spaziergänge mit meinem Hund ein, bei denen ich langsam und achtsam ein paar hundert Meter ohne Schuhe laufe.

Foto: Brina Blum


Wenn ich barfuss laufe, meine Zehen sich ins Gras oder in die Erde graben und ich meine Füße plötzlich so richtig spüren kann - so ganz anders als auf Gummisohlen - fühle ich mich viel mehr mit meinem Körper verbunden. Dann merke ich deutlich, dass mein ganzes Wesen Teil der Natur ist - und sein will.


Wir sind Natur

Wenn ich beschreiben soll, warum ich fühle, dass die Natur in uns steckt, könnte ich an ganz verschiedenen Punkten ansetzen. Mühelos ließen sich biologische und erdgeschichtliche Fakten zusammentragen, aber dafür bin ich nicht hier.


Ich glaube an die Magie des Lebens und dass wir, genauso wie jedes Insekt, jeder Vogel, jeder Fisch und jedes Säugetier Teil eines großen Ganzen sind. Mein Name für diese Energie, die ich spüren kann, wenn ich unter einem Baum stehe, den Vögeln dabei zusehe, wie sie in die Luft steigen und wenn ich meine nackten Füße auf den blanken Stein oder die kühle Erde setze, ist: Liebe. Während ich diese Worte schreibe, pulsieren meine Füße, weil sie sich an dieses Gefühl erinnern. Und daran, dass mein Gespür und mein Ausdruck dafür richtig sind.


Im Prinzip ist es egal, wie man die Energie nennt, die alle Lebewesen auf dieser Erde und jedes Gestein und jeder Wassertropfen in sich tragen - Gott, Energie des Universums, Liebe. Ich habe mich für den Begriff Liebe entschieden, weil ich ihn am schönsten finde. Das Leben liebt mich jeden Tag in die Existenz. Die Liebe hat begonnen, als plötzlich, ohne dass ich etwas dafür tun musste, mein Herz zu schlagen anfing. Und es schlägt weiter, ohne, dass ich etwas dafür tun muss.



Ich atme ein und aus, ohne mich dafür anzustrengen. Es atmet mich. Durch meine Reiki- und Meditationspraxis weiß ich - es ist der Atem, der mich mit etwas Größerem und mit meiner eigenen Größe verbindet. Ich muss nur atmen, um alle meine Fragen zu beantworten und alle meine Wünsche zu realisieren. Einfach nur atmen.


Die Liebe erneuert mich durch meinen Zyklus, der sich magisch nach dem Mond richtet. Mit dem abnehmenden Mond lasse ich los und bin in dieser dunklen und gleichzeitig unglaublich nährenden Energie, die sich ein bisschen anfühlt, als ob jemand eine schwere Decke über mich legt, damit ich Ruhe halte.


Mit dem Neumond stehe ich wieder auf und reibe mir verblüfft die Augen, weil ich mich wirklich jedes Mal ein bisschen neu fühle. Und auch das passiert einfach so. Ich werde jeden Monat innerlich umgebaut. Altes raus, neues rein. Es geschieht mir und ist zu meinem Besten, ich muss es nicht planen oder forcieren, sondern einfach nur entspannen.


Selbst wenn ich versuchen würde, mich von der Natur in mir zu distanzieren, das würde gar nicht gehen. Und doch glaube ich, dass wir oft versuchen, uns zwischen uns und unsere Natur zu stellen. Funktioniert halt nur nicht.


Es macht viel mehr Spaß, diese Verbindung wieder aktiv zu suchen. Sie voll einzugehen. Und sie zu ehren. Weil es sich dankbar als Teil von etwas Größerem einfach schöner lebt.


Bleib' ganz natürlich. Deine Verena

©2020 by Verena Diersch.